Bewusst SEIN

Mut zur inneren Leere

Mut zur inneren Leere, Bei sich Selbst sein ©Susanne Reinhold

„Je näher man der Leere kommt, desto mehr häufen sich die Angebote der Ablenkung.“ (Elmar Schenkel)

Wirst du schon nach wenigen Minuten nervös, wenn dein Smartphone keinen Strom mehr hat oder der WLAN-Empfang ausgefallen ist? Wir alle fürchten uns vor der inneren Leere. Andererseits jedoch sehnen wir uns nach ihr und genießen die Ruhe. Weil sie Türen öffnet zu inneren Bewusstseinswelten und sogar heilend wirken kann. Doch dazu müssen wir uns ihr hingeben, ganz Selbst verständlich.

In diesen verrückten Zeiten, von sozialer Distanzierung, Versammlungsverboten und Kontaktbeschränkungen, suchen nun noch mehr Menschen die Begegnung in digitalen Außenwelten. Der Antrieb, sich mit Gleichgesinnten, Wissenden oder Helfenden zu vernetzen, ist tendenziell steigend. Geradezu auch sehr verlockend, sich darin zu verlieren oder auch abzulenken. Alles kann von verschiedenen Seiten betrachtet werden. Deshalb, kann ich für mich berichten, dass ich einerseits diese ruhige „LockDown-Zeit“ sehr genossen habe, in der fast alles auf ein Minimum oder null gefahren wurde.

Anderseits triumphierten wir über unseren ersten Restaurantbesuch. Auch wir vernetzten uns mit Gleichgesinnten. Worauf ich hinaus möchte, ist hingegen die innere Leere. Gewiss in einem Blickwinkel, der erweiterten Wahrnehmung nach Innen. Denn da ist sie zu spüren, wenn wir Menschen immerzu im Außen, den Ablenkungen und Attraktionen folgen und plötzlich ist der Akku leer vom Handy und kein freies WLAN in Reichweite. Vielleicht hast du eine von den verstaubten ToDo-Listen abgearbeitet. Auch das ist Beschäftigung im Außen, um nicht diese innere Leere zu spüren. Denn dann, kann es innerlich still und leer werden oder ganz hektisch und nervös.   

Aus der Hirnforschung

Die Moderne hat dem Menschen einen neuen Reflex verpasst. Beobachten lässt sich dieser zum Beispiel im öffentlichen Personennahverkehr. Die Türen der S-Bahn gehen auf, die Fahrgäste steigen ein, suchen sich eine freie Sitzgelegenheit, lassen sich nieder – und nehmen sofort ihr Smartphone in die Hand. Dann drücken und wischen sie auf dem Display herum, wechseln durch die Anwendungen, wirken beschäftigt, wie eingesaugt oder haben Kopfhörer im Ohr, sodass man nicht mal auf ein “Guten Tag“ reagieren kann. Die Menschen können nicht anders, sie müssen sich mit irgendetwas beschäftigen, argumentieren beispielsweise Psychologen um Timothy Wilson von der University of Virginia im Fachjournal Science (Bd. 345, S. 75, 2014). Hier auch ein Link in deutsch. Und ist es nicht das Smartphone, dann richten sie ihre Aufmerksamkeit auf etwas Anderes.

Nur den eigenen Gedanken nachzuhängen empfinden die meisten Menschen erstaunlicherweise als belastend – so sehr sogar, dass sie in den Versuchen der Psychologen um Wilson oft eine absurde Entscheidung trafen: Sie verpassten sich lieber Elektroschocks, statt 15 Minuten lang konzentriert nachzudenken oder einfach ruhig zu sein.

Eigentlich war es nicht schwer, was den Probanden abverlangt wurde. Sie sollten einfach nur in einem geschlossenen Raum sitzen, und am Ende würde man ihnen die Teilnahmegebühr auszahlen. Auf dem Tisch stand ein Gerät, mit dem sie sich selbst einen ungefährlichen, aber unangenehmen Stromschlag verpassen konnten. „Doch warum sollte es jemand tun, wenn man schon für das bloße Absitzen der Zeit, Geld bekommen würde?“, fragte sich Studienleiter Timothy Wilson. Und er hielt dies zunächst nur, für eine ausdrucksvolle Frage.

Die Probanden wählten lieber Elektroschockes anstelle von Nichts-Tun und Erlebnislosigkeit. Und damit stehen sie nicht allein. Denn wer hält es noch aus, wenn der Fernseher, das Radio oder das Internet ausfällt, wenn keine Ablenkung und niemand da ist für ein Gespräch? In einer Umfrage an jungen Männern und Frauen gaben zwei Drittel zu, dass sie auf einer einsamen Insel eher auf menschliche Berührung und Vereinigung verzichten könnten, als auf ihr Smartphone. Mal abgesehen davon, ob man dort überhaupt Empfang und Strom hat 😉

Mut zur inneren Leere, Die Menschen sind immer beschäftigt ©Susanne Reinhold

Mut zur inneren Leere, Die Menschen sind immer beschäftigt ©Susanne Reinhold

In anderen Umfragen zeigte sich, dass viele Menschen vor Langeweile, ähnlich viel Angst verspüren wie vor einem Krebsgeschwür. Nach dem Muster: Besser todkrank, als leer. Ähnlich verhält es sich ebenso mit der sogenannten Patientenverfügung, besser alle Geräte abschalten lassen, als regungslos „leer“ dazuliegen. Das kann für einige einen harten Klang haben, aber es gibt natürlich auch andere Sichtweisen. In diesem Beitrag, möchte ich den mutigen Schritt zu dieser inneren Leere, herausstellen.

Wer weiß schon genau, welch aufmerksame Beobachtung und Selbstreflexion in einem menschlichen Körper noch stattfindet, vor dem Abkoppeln aus diesem Bewusstseinsfeld oder dem Ableben dieses Körpers?! Aus der Quantenphysik, weiß man, dass es ein freies >Bewusstsein< gibt, dass unabhängig von einem Verstand/Gehirn ist. Bei einem Gehirntod zum Beispiel, können diese Menschen oft ziemlich genau erzählen, was sie in diesem Gehirntoten Zustand erlebt haben. Also ist es, eine Art Bewusstsein, was nicht mit unserem Verstand zu tun hat.

Der Verstand als Zentrale

Es lohnt sich, diese Sichtweise zu überdenken. Denn unser Gehirn ist weit mehr als nur eine Zentrale des Denkens. Es ist auch ein Organ, das gerne gedankenlos ist und sich bestens auf die Technik der Leere versteht. Wir können dafür unser Bewusstsein einsetzen und genau da, in der Mitte des Gehirns, mit unserer ganzen Aufmerksamkeit anwesend sein. Da wo menschliche Beobachtung anwesend ist, ist das elektromagnetische Feld in Bewegung. Wir können beschließen, aus unserem eigenen Vermögen heraus, dass es in unserem Kopf ruhig ist, dass in unserem Kopf Raum und Stille ist. Nichts Anderes versuchen wir, in einer Meditation.

Das Gehirn hat einen ausgewiesenen Leere-Mechanismus. In dem Moment, wo Thalamus seine Pforten schließt, kommen weniger Reize in den oberen Hirnregionen an. Am besten funktioniert das mit geschlossenen Augen, ohne einen Reiz von außen. Die Leere und Gedankenlosigkeit, kann anfangs sehr ängstlich sein. Weil wir einfach nur beobachten und wahrnehmen was ist. Andererseits, zieht sie uns auch kraftvoll an. Was erstaunlich ist, weil diese innere Leere ja eigentlich nichts, also faktisch keine konkrete Belohnung zu bieten hat, die das Gehirn in eine bestimmte Richtung gehen lässt. Was kann sie uns also geben, dass wir den Weg zu ihr suchen?

Innere Leere, lässt unseren Gefahrensensor (Defense-Systeme) in den tieferen Hirnregionen zur Ruhe kommen. Deren Aufgabe besteht nämlich darin, möglichst frühzeitig Notlagen aufzuspüren, weswegen sie absolut überlebensnotwendig sind. Andererseits sorgen sie jedoch auch, für den besten, katastrophalsten „Allein-Unterhalter“ im Kopf, dem man kaum Einhalt gebieten kann.

Wir befürchten überall Gefahren, und das bedeutet in unserer hektischen und komplexen Welt, dass unsere Gedanken permanent im Karussell der Gefahrenabwehr kreisen. Angst spielt dabei eine wichtige Rolle. Dieser Dauereinsatz, zehrt an den Kräften und bereitet auch vielen Krankheiten den Weg. Die Leere kann hier eine Pause schaffen und für Entlastung sorgen. Durch sie verlieren die Dinge an Bedeutung und damit auch an Problematik, so dass es keine Veranlassung mehr gibt, den Gefahrensensor zu aktivieren.

Mut nach innen zu schauen

Doch Leere ist mehr als nur ein Abschalten. Sie kann auch neuen Anreiz schaffen. Menschen die regelmäßig meditieren oder in sich Selbst ruhen, genießen diesen Zustand. Denn sofern das Gehirn einen sanft wogenden Ozean niederfrequenter Wellen bildet, können aus ihm leichter hochfrequente Inseln der Achtsamkeit herausragen. Wenn wir uns zudem mit unserem Herzen verbinden, können wir im Zustand der scheinbaren, körperlichen Sinn-Losigkeit, auch an neue, kreative Ideen gelangen. Wir erreichen in Verbindung mit unserem Herzen, in dieser achtsamen Ruhe, in der inneren Leere, Einsichten, die aus uns Selbst und dem ursprünglichen Schöpferfeld stammen.

Und dazu gehört, dass wir uns dem ganzen Selbst verständlich neutral hingeben. Wer halbherzig meditiert, innehält oder immer wieder auf die Uhr schielt, wird keine innere Leere schaffen können. Genauso verhält es sich mit routinemäßiger Stille oder auch das Anwenden von irgendwelchen Methoden und Modellen. Es ist immer ein Langhangeln, ein Festhalten im Außen. Einfach wahrzunehmen, was ist – ist ein Hineinhorchen in das Herz, ein Loslassen von Allem, ein Akzeptieren des Jetzt-Moments!  Es ist alleiniger Fokus und Präsenz! Die innere Leere, ist ein vertrauensvolles und kompromissloses Hingeben, ein Schöpfen aus der Quelle, die wir in uns tragen. Dann erleben wir sie aus einem Fülle Bewusstsein.

Mut zur inneren Leere, Hingabe, Füllebewusstsein ©Susanne Reinhold

Mut zur inneren Leere, Hingabe, Füllebewusstsein, ©Susanne Reinhold

„Der moderne Mensch leidet an innerer Leere, wie ein Heißhungriger an leerem Magen.“ (Jakob Bosshart)

Innere Leere, können wir auch aus einem Mangel Bewusstsein erleben. Sehr gut vergleichen kann man das Gefühl der inneren Leere dann mit Hunger – mit dem Unterschied, dass es sich nicht um körperlichen, sondern um emotionalen Hunger handelt. Es wirkt dann wie Angst, niemals wirkliche Er-Füllung oder die Wahrheit finden zu können. Ein Gefühl, das die momentane Lebenssituation von vielen Menschen sehr gut beschreibt, die sich wie anfangs erwähnt, in digitale Welten flüchten.

Viele Betroffene berichten davon, dass das Gefühl dieser inneren Leere sich anfühlt wie eine Lücke, ein Vakuum oder auch wie ein schwarzes Loch, von dem scheinbar alles aufgesogen wird. Für nicht wenige ist es nur schwer auszuhalten, und sie versuchen, dieses schwarze Loch zu füllen. Leider mit Dingen, die schaden und abhängig machen, statt helfen. Alle legalen und illegalen Süchte, fallen da hinein. Wieder andere kompensieren die Leere, indem sie sich geradezu maßlos in ihre Arbeit stürzen oder Ausgleich in zahllosen flüchtigen Beziehungen suchen.

Was können wir mit der inneren Leere tun?

Ganz egal, aus welchem Bewusstsein wir die innere Leere erfahren, es gibt einen gemeinsamen Weg. Neben der Aufarbeitung vergangener Wunden und auch das ergründen dieser Leere, können wir hier zu einem viel breiteren Gefühlsspektrum gelangen.

Dieser Weg heißt Präsenz – das bewusste Verweilen im gegenwärtigen Moment. Präsent sein bedeutet:

  • zu spüren, was gerade in uns und um uns herum passiert
  • unsere Gedanken, unseren Körper und unsere Sinne bewusst wahrzunehmen
  • dem, was ist, keinen Widerstand entgegenzubringen
  • neutral anschauen, ohne Urteil, ohne Meinung

Dies hat zur Folge, dass wir wieder einen richtigen Zugang, zu unseren Gefühlen bekommen. Weil sie bekommen endlich Aufmerksamkeit und werden nicht mehr verdrängt. Dann stolpern wir auch nicht mehr wie Zombies durch den Tag und sehen uns wieder. Nicht nur uns Selbst, sondern auch die anderen Menschen.

Es ist nicht immer leicht, die Wurzeln für deine innere Leere zu ergründen. Oft sind es eine Vielzahl von Faktoren, die dafür sorgen, dass du dich taub fühlst und keine richtigen Emotionen mehr spürst.

Nimm stattdessen wahr, welche Botschaften die innere Leere für dich bereithält. Hier mal einige Fragen, die du dir in der Stille Selbst stellen kannst. Verbinde dich dazu, mit deinem Herzen und du wirst zu gegebener Zeit, Antworten und Einsichten darauf erhalten. Bleibe einfach aufmerksam bei dir Selbst. Sei dabei ehrlich, sonst spielst du dir selbst etwas vor:

Lebe ich zu oft, gegen meine eigenen Werte?

Bin ich mir Selbst treu?

Wo halte ich mich im Außen fest? Was kann ich nicht loslassen?

Tue ich unliebsame Dinge, weil ich denke oder fühle, dass ich sie tun muss?

Gibt es Dinge in meinem Leben, denen ich zu wenig Beachtung oder zu viel schenke?

Was ist mir wirklich wichtig?

Brauche ich mehr Sinn in meinem Leben?

Oder geht es eher um Beziehungen und Zugehörigkeit?

Fehlt mir ein Partner oder etwas Wichtiges in einer bestehenden Beziehung?

Wer bin ich wirklich? Wo komme ich ursprünglich her?

Was ist meine Aufgabe hier auf diesem Planeten? Bin ich freiwillig hier?

Lebe ich das und zeige es im außen, was ich in mir weiß und fühle? Bin ich echt?

Sobald du den Mut hast, der inneren Leere auf den Grund zu gehen, werden noch einige Weltbilder zerbrechen. Was dir im letzten Moment noch lieb und heilig war oder für was du gekämpft hast, kann im nächsten Augenblick irrelevant sein. Wir leben in bewegten Zeiten, in denen wir sehr flexibel und unberechenbar sein müssen.

Komme dir deshalb Selbst auf die Spur und deiner inneren Wahrheit.

Beispielsweise mache ich das, mit solchen gemalten Bildern, die du hier in diesem Blog sehen kannst. Demnach ist diese MalKunst, auch ein Weg der inneren Heilung. So bin ich mein eigener Kunsttherapeut. Darum stecke ich genauso im Prozess, wie du als Leser und kann sehr gut verstehen, wie es dir gerade geht. Der kleine Funken Gewissheit und Hoffnung, den ich in mir trage, lässt mich weiter forschen und ausprobieren. Darin sollten wir uns stetig gegenseitig bekräftigen. Und das tue ich hiermit!

Mut zur inneren Leere ©Susanne Reinhold

Mut zur inneren Leere ©Susanne Reinhold

Zum Schluss, möchte ich dir noch dieses Gedicht mitgeben, auf deinem mutigen Weg zur inneren Leere – Alles Liebe

Leere

Was du auch tust,
und wie stark du dich auch sehnst,
nie wird ganz ausreichen, was du hast.
An der Leere werden wir zu Träumern,
Entdeckern, Liebenden und Hoffenden.
Wenn du dich aber für Bitterkeit entscheidest,
dieses süße Gefühl, an der Welt zu leiden,
nicht wertgeschätzt und unverstanden zu sein,
dann schließt sich die Tür in die Weite.
Dann richtest du dich ein in dem, was du nicht hast,
und verpasst die Gabe der Sehnsucht:
die geheimnisförmige Leere,
die sich mit mehr füllt,
als du dir wünschen konntest.

(Ullrich Schaffer)


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