SelbstErkenntnis
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Kunst, ein spiritueller Weg

Kunst, ein spiritueller Weg, Reinweiß Malprozess ©Susanne Reinhold

 „Sei dein eigener Künstler und stehe hinter dem, was du tust. Wenn du das nicht kannst, dann brauchst du es erst gar nicht machen.“ (Aretha Franklin)

Auf der Suche nach den Wurzeln der spirituellen Persönlichkeit, dem wahren urspünglichen Wesen in uns, kann man viele Wege beschreiten. Kunst ist einer davon. Ob Kunst grundsätzlich spirituell ist oder künstlich, ist ein individuelles Weltbild, das wohl weit über materielle Perspektiven hinausgeht. In diesem Beitrag, stolpere ich gerne über meine eigene Weltbilder-Entwicklung und lasse mich rückschauend auf mich Selbst ein. Kunst, ein spiritueller Weg zu mir und meiner Rolle darin.

Wenn ich mich frage, wie ich zur Kunst oder zum Kunsthandwerk gekommen bin, dann sehe ich stückweise einen unebenen Weg durch schmerzhafte Ereignisse und Missverständnisse. Wie ich zum Nähen kam, habe ich hier in diesem Beitrag bereits geschrieben. Das Malen allerdings war mein kindlicher und geschützter Rückzugsort und kreativer Selbstausdruck. Im Kindergarten beispielsweise, wurde ein Bild von mir als Hausarbeit nicht anerkannt, weil man mir in diesem Alter, ein solches Talent nicht zutraute.

Auch in der Schule, kam es zu unterschiedlichen Betrachtungsweisen, wie man mit meinen gemalten Bildern und Kunstwerken umgehen kann. Letztendlich lernte ich, diesem inneren Kind, das sich eins zu eins mit der Farbe ins Abenteuer stürzte und malte, zu vertrauen. Ich entwickelte und fühlte meinen eigenen Stil, unabhängig von irgendwelchen Vorgaben und Künstlerraritäten. Deshalb hatte ich in Kunst auch immer eine Eins, weil Kunst so individuell ist und eigentlich nicht messbar oder vergleichbar wäre. Auf diese Weise zu arbeiten, war für mich damals unvorstellbar.

Vor einigen Jahren, lernte ich dann eine Dame auf einem Seminar für Energiearbeit kennen. Sie stellte mir die Frage, wo es mich hinzieht und was ich mit diesem Wissen machen will. Ziemlich naiv sagte ich, dass ich gerne etwas mit Kunst machen und meine Spiritualität damit verbinden möchte. Also Kunst, als spiritueller Weg ist mühselig. Sie nahm mir sofort den Wind aus den Segeln und erklärte mir, dass ich in der Kunstszene schon sehr gut Bescheid wissen müsste, um damit zu arbeiten.

Ich dachte an all die Bilder und verkorksten Skulpturen, bei denen ich Mühe hatte, in ihnen irgendetwas kunstvolles zu entdecken. Und ich weiß heute, dass ich mich nicht zurechtfinde in dieser skurrilen Welt, in der es bedeutet namenhafte Persönlichkeiten zu studieren und starke Strukturen und Stile zu erlernen. Das hat mich bis jetzt auch von einem Kunststudium abgehalten. Es bringt mir nämlich nichts, zu wissen wie etwas geht, wenn ich es nicht fühle.

Und das hat sie wohl damit gemeint, als sie mir diesen Rat erteilte, um in dieser Szene mit zu schwimmen. Aber wollte ich überhaupt mitschwimmen?

Ein Teil in mir mochte dieser Kunstbetrachtungsweise schon entsprechen, weil es irgendwie wichtig erscheint darüber Bescheid zu wissen und zuzuordnen wäre. Demnach vergleichbar. Die Vorstellung von Kunst und das Erlernen eines festen Stils, ist der wichtigste Grund, warum wir nicht echt sind. Deshalb weinte der andere Teil in mir, über den Schwund meines natürlich, individuellen Ausdrucks – dieser Einzigartigkeit.  Etwas Heimatlos, nagte der Zweifel an mir und meinen Fähigkeiten und ich legte das Malen, von Neuem zur Seite.

Nach Hause kommen

Wenn ich mich frage, wie ich zur Spiritualität gekommen bin, erkenne ich auch hier die Suche nach Einzigartigkeit, nach der Wahrheit. Vielleicht kam sie auch zu mir? Eine jahrzehntelange Suche in der Vielfalt der Lehren und Übungen, getragen von der Hoffnung auf ein glücklicheres, gesundes und harmonisches Leben. Mit dieser spirituell materialistischen Haltung fand ich natürlich nicht, wonach ich mich in Wirklichkeit sehnte. Auf diesem Weg „Rund ums Erwachen“, trifft man eine Menge Leute, die DAS Wissen und DIE Lösung für alles haben.

Ein Teil in mir mochte dieser spirituellen Betrachtungsweise schon entsprechen, weil es irgendwie wichtig erscheint darüber Bescheid zu wissen und zuzuordnen wäre. Demnach vergleichbar. Die Vorstellung und das Wissen über Spiritualität und das Erlernen eines festen Stils, wie in der Kunst, ist der wichtigste Grund, warum wir wieder einmal nicht echt sind.

Deshalb war der andere Teil in mir, erneut unglücklich über den Verlust meines individuellen Ausdrucks, als einzigartiger Mensch mit schöpferischem Bewusstsein. Aber auch das gehört zum Weg und es öffnete meine Wahrnehmung wiederum für die Dinge, die sich in mir abspielten. Vermutlich hatten wir diese Wahrnehmung bereits, als Kind oder früher, weil sie sich so vertrauensvoll – nach Zuhause – anfühlt. Je mehr ich mich an mich Selbst erinnere, um so berührter bin ich.

Generell kann ich heute sagen, dass es weder in der Kunst, noch in der Spiritualität etwas zu erreichen gibt. Noch nicht mal diese Einzigartigkeit. Eventuell gibt es dazu mehrere Sichtweisen und ich habe einige davon vertreten. Einzigartig zu sein ist eine Art, wie ich sein kann. Deshalb glaubte ich die längste Zeit in meinem Leben, das mich meine Prägungen von den Eltern, Großeltern, mein Sternzeichen, die Hochsensibilität, die Lebenszahl und Archetypen, wirklich einzigartig machten. Vielmehr ist nun meine Erkenntnis, lieber ich selbst zu sein. Nämlich all ohne diese Programmierung. Wer bin ich dann noch?

Kein Versteck mehr, kein Ausweichen, keine träumerischen Verheißungen über spirituelle Höhenflüge, keine Ausreden, keine Vorbilder die ich anbete, kein Trauma das mich bindet, keine Normen an die ich mich halte, Keinen Stil der mich beherrscht, kein Modell in dem ich feststecke, kein Schema mehr. Klingt nach einem uferlosen Weg, bei dem es weit und breit, nichts zum Festhalten gibt. Im Nicht-Wissen, entfalten wir uns zu unserer vollen Blüte, weil wir nur noch UNS SELBST haben und sind. Während sich Schicht um Schicht das Alte ablöst, wie abgetragene Kleider, Maskierungen, die ich fälschlicherweise für mich selbst gehalten hatte. Aus denen ich nun herauswachsen darf in meine ursprüngliche Größe, ohne Minderwert und ohne Größenwahn. Dann, wenn alle Rollen langsam verblassen, bin ich wirklich ich Selbst.  

Malprozess – Abschied von Vorstellungen

Malen – und ich könnte auch sagen: Singen, Kartoffeln-ernten, Bügeln, Gassi gehen, Schreiben, Putzen, Kunst, Büroarbeit… das Leben in all seinen Schattierungen – ist ein gutes Feld, um sich zu erkennen. Von wo aus wird mein Handeln gesteuert, was bindet mich, wo verlaufe ich mich, wer agiert? Welche Programme und Vorlieben habe ich verankert. Spiritualität findet genau hier statt, mitten im Alltag. So kann auch die intensive Arbeit an einem Bild ein Prozess sein, in dem meine Absichten so lange zermalmt werden, bis es still wird in mir. Was übrig bleibt, ist nur noch die Essenz meines Bildes.

Die meisten Spirituellen sind wissend unterwegs, nicht fühlend. Als ich vor einiger Zeit wieder das Malen für mich entdeckt habe, war ich von dieser wissenden Stimme in meinem Kopf umgeben, die mir genau gesagt hat, was ich malen soll und wie ich es malen soll. Überkritisch und durchaus verkrampft, verfolgt sie jede Handbewegung. Ich merke, wie mein künstliches Weltbild aufrechterhalten werden soll, weil ich es nicht wagte, tiefer in die Szene einzutauchen.

Ein innerer Kampf um die Anerkennung als Künstler, Vergleiche, Bemerkungen… Ich könnte diesen Prozess noch gründlicher beschreiben, aber diese Stimme treibt atemlos an – möchte Ergebnisse und will Herr der Lage sein. Es kommen andere dazu. Meine Absichten, meine Lieblingsfarben und mein Anspruch. Und das bin alles nicht ICH, mein wahres Wesen.

„Ich kann nicht malen!“ ist mein letzter Satz und schmeiße alles hin…  

Was wäre, wenn ich diesen ganzen Schutt der Vorurteile, Ängste, Moralpredigten, diese „Ich kann nicht…“-Selbstzensoren, inneren Kritiker einfach reden lasse? Ich schaue einfach hin und fühle mal, ob das überhaupt meine Wahrheit ist und was da hochkommt.

Wie wäre es, wenn ich Bilder aus meinem Inneren, sog. Seelenbilder zulasse? Ich schaue einfach hin und fühle, was mir mein Herz zeigen will. Was wäre, wenn ich aufgrund meiner inneren Widerstände einfach eine Frage formuliere und es dann fließen lasse? Ich kann mich total auf den Prozess einlassen und bin unabhängig vom Ergebnis. Was wäre, wenn es mir völlig egal wäre, was andere über mein Bild denken? Ich bin unabhängig von Anerkennung oder dem Urteil, weil Kunst und das Malen, individueller Ausdruck ist.  Wie wäre es, wenn ich meine innere Wut, meine Sehnsucht, meine Verzweiflung, meine Elend malen dürfte, ohne Angst vor dem Urteil der anderen zu haben? Ich bin in mir anwesend und fühle hin, schaue an, transformiere, nehme an und drücke aus. Was wäre, wenn ich es einfach mache? Das ist ein Stück Freiheit!

Mit diesen oder ähnlichen Fragen, kann der Verstand beschäftigt werden und das Herz antworten. Mir hilft es im Voraus beispielsweise eine Seelenreise zu machen oder mich konkret mit meinem Herzen zu verbinden und den Kopf ruhig werden lassen. Es kommt auf die Situation an. Jeder Mensch ist kreativ, sein eigener Schöpfer. Es gibt dabei kein richtig oder falsch, denn das würde der Neutralität – dem Ganzen – widersprechen. Reinweiß gibt mir nun diesen Raum, für diesen Ausdruck und für meine inneren Prozesse. Darum gilt das Beitragsbild, was ich dazu gemalt habe, auch als Commitment – als Auftrag an mich Selbst und diesen Raum.

Kunst, ein spiritueller Weg, Reinweiß Malprozess Collage ©Susanne Reinhold

Kunst, ein spiritueller Weg, Reinweiß Malprozess Collage ©Susanne Reinhold

Kunst, ein spiritueller Weg mit Ausdruck

Unser größtes Hindernis ist der eigene Verstand, denn er will Ergebnisse sehen. Gegen die eigene Spontanität, will er kontrollieren und erklärt uns auch, dass Kunst, ein spiritueller Weg sei.  Er versucht ständig, das gebastelte Weltbild aufrecht zu erhalten, im Berechenbaren. Aber unsere Intuition entspringt dem Herzen und nicht dem Verstand. Deshalb ist das Ausdrucksmalen oder das Intuitive Malen so unberechenbar und unbestimmt, unsicher – wie das Leben nun mal ist. Wenn ich es schaffe, versunken wie ein Kind, mich diesem Abenteuer in mir zu stellen, bewegt sich etwas in meinem Bewusstseinsfeld und im Kosmos.

An diesem Ort ist alles gleichwertig. Die Inspiration, das Bedürfnis und die Weite, die entsteht, wenn die inneren Ideen, wieder frei fließen dürfen. Hier begegne ich meiner Freude und meinem Frieden.

Es ist wie ein großer leerer, weißer und neutraler Raum. Von diesem Raum aus Kunst zu machen, ist ehrlich und im Grunde ein ziemlich radikaler Prozess und ein Geschenk des Wachstums. Es darf sich Alles zeigen. Ich spüre diese Liebe zu mir, die Vergebung und die Weite meines Herzens. Alles darf SEIN.

Es mag hoch gegriffen klingen, doch wenn der Raum, sich wandelt, von dem die Kunst kommt, dann ist das direkt in mir spürbar. Ich kann das beobachten. Mitunter können Malprozesse so, erstaunlich langwierig sein. Wenn ich also, in meinen alten Mustern gefangen, kämpfe, entsteht auch Kunst, aber nur, weil sich aus diesem Kampf allmählich wieder etwas abschält.

Dann verwende ich andere Farben und sie haben eine andere Schwingung. Oft lege ich das Bild zur Seite und am nächsten Tag, finde ich den Anschluss nicht mehr. Der Kampf ist erst mal defensiv, kommt allerdings immer wieder neu. Wenn ich im Prozess bleibe, bis das Bild fertig ist, dann kann ich dieses Fließen bis zum Ende spüren. So ist Kunst, ein spiritueller Weg.

Es ist ein Gefühl von Einverstanden sein, das sich in meinem Herzen breitmacht. Akzeptanz, wenn ich es beobachte. Von hier aus weiß ich genau, was gerade zu tun ist, ohne mich einzumischen. Ich kenne nur den nächsten Schritt und bin in Bezug auf das Endergebnis, meines Bildes oft planlos. Ich folge den ursprünglichen Ideen und lasse sie in der Umsetzung wieder frei. Demnach ist Kunst, als spiritueller Weg, auch ein Weg der inneren Heilung. So bin ich mein eigener Kunsttherapeut.

Im besten Fall bleibt nur übrig, was ewig und tief ist. Berührt es auch andere, lässt es Funken überspringen, entsteht für mich ein noch größeres Geschenk. Dann wirkt es wie ein Kompliment an mich und mein Herz „Danke für deine Arbeit.“

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