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Heimat ~ wo ist das eigentlich?

Heimat ~ Bauernhaus Tür, Foto Susanne Reinhold

„Vergiss nie Deine Heimat, wo Deine Wiege stand. Du findest in der Ferne, kein zweites Heimatland.“

„Ich stehe vor dieser Tür des alten Bauernhauses. Es ist eine schöne Holztür, ganz einladend und freundlich. So wie das Haus selbst. Mit vielen Geschichten, strahlt sie mir entgegen. Langsam drücke ich die Klinke herunter und gehe hinein. Die Tür verschließt sich eigenständig hinter mir. Es gibt einen Abstieg, eine Holztreppe. Schritt für Schritt, mutig & neugierig, gehe ich voran. Dann kommt eine Holzrutsche. Freudig rutschend geht es weiter hinab, wie in einem Bergwerk. Unten angekommen wartet eine Bahn auf mich. Es ist eine Bergwerkbahn, allerdings mit etlichen Hügeln und Kurven. Mit voller Geschwindigkeit, geht es weiter hinab. Alles ist weit und der Glanz des Berginneren zeigt sich langsam. Eine Tropfsteinhöhle, wie ich sie noch nie gesehen habe und doch kommt mir alles vertraut vor. Überall glitzert und funkelt es. Viel Licht strahlt von den Wänden und die schönsten Formationen der Steine zeigen sich. Die Bahn fährt nun langsamer. Endstation, aussteigen!

Staunend und überwältigt vom Glanz steige ich aus und bewundere diese glitzernde Pracht um mich herum. Hierdurch überkommt mich ein angenehmes, wohlig warmes Gefühl. Denn so fühlt sich zu Hause an. Ich stelle mir vor, ein Tropfen in dieser Höhle zu sein. Gleichzeitig falle ich gerade zu Boden. Sehe mich, wie ich wieder aufgefangen werde von einem Glitzerschwarm und durch die Luft wirbele. Eine Freude, dass ich Da Bin! Von weitem sehe ich eine große Wasserblase.

Der Glitzerschwarm bringt mich dahin. Vor der Blase ergreift mich ein liebevoller Sog und ich sehe, wie sich mein ganzer Körper im Wasser auflöst. Nichts ist mehr da. Nicht nur alle Gedanken, mein Name, mein Tun ist weg, sondern auch meine Ängste und Sorgen sind verschwunden. Ich verschmelze mit dieser Blase. Und die Blase verschmilzt mit Allem. Demnach ist alles hell, leuchtend, wie blind. Ich sehe mich nicht mehr. Gefühle der Einheit. Heimat! Alles ist gleich. Wir baden in diesem Gefühl. Wir schaukeln etwas hin & her. Getragen voller Liebe und Geborgenheit. Wie ein Zuhause ohne Mauern und Dach, ohne Grenzen.

Unendlich viel Dankbarkeit überkommt uns. Es existiert keine Zeit. Alle Weisheit und das ganze Wissen ergreift uns wie als wenn es schon immer so war. Ferner verspüren wir den Zeitpunkt, etwas Neues wachsen zu lassen. Also ballt sich unsere ganze Liebe und Aufmerksamkeit in dieser Blase. Ein leises Pochen war im Wasser zu hören. Wie ein Herzschlag. Wir sehen einen kleinen Menschen in dieser Blase. So schön und vollkommen. Eingepackt, getragen, geborgen, ein Lächeln im Gesicht. Wie in einer Wiege geschaukelt. Entsprechend fühlen wir, wie sich unser Wasser durch den kleinen Körper bewegt. Schließlich wächst jede einzelne Zelle und dehnt sich aus. Wir dehnen uns aus… weiter, bis die Blase uns sanft wieder frei gibt. Ein silberner Faden verbindet uns. Er ist sehr beweglich und lang.

Alles glitzert und funkelt. Gestärkt und voller Freude steige ich in die Bahn wieder ein. Sie bringt mich zur Holzrutsche. Es geht wie im Fluge. Ein letztes Staunen in die funkelnde Höhle zurück und ich bin an der Treppe angelangt. Ich erinnere mich an meinen Auftrag, an meine Aufgabe, als ich den silbernen Faden sehe. Ich will leben! In der Heimat Sein. Liebe verbreiten. Voll gestärkt und in mir so stabil und voller Freude, mache ich diese Holztür von innen auf. Draußen sehe ich eine wunderschöne Landschaft. Natur! Die Erde! Blumenwiesen, Berge, einen Bach, Vögel zwitschern, lachende Menschen, die Sonne scheint… alles wartet auf mich. Ich fühle mich willkommen! Ich bin da. Ebenso langsam schließt sich die Tür. Im Vertrauen, dass ich jederzeit zurück könnte… nach Hause, in die Heimat. Dann entdecke ich den silbernen Faden. Denn er ist direkt mit meinem Herzen verbunden.“ (meine Seelenreise)

Heimat ~ Wo ist sie für Dich?

Dieses kleine Verslein am Anfang, schrieb ich früher oft in Poesie Albums hinein. Er klang so stimmig und im Reim. In meiner jetzigen Situation, wieder eine Heimat zu verlassen, werde ich gerade an diesen Reim erinnert. Außerdem freuen sich nicht alle Menschen, dass wir umziehen und wir bekamen auch Fragen wie: „Du verlässt die Heimat?“ oder „Ist das nicht Deine Heimat?“ zu hören.

Ja, es sind Fundamente die wackeln und bröckeln. Es gibt viele Theorien und auch etliche Lebensläufe darüber, ob man sein ganzes Leben an einem einzigen Ort verbringen sollte oder lieber ständig woanders. Jedenfalls habe ich mich oft gefragt, wo bin ich eigentlich zu Hause, wo ist meine Heimat? Folglich wird über das Wort Heimat, sowieso viel diskutiert. Deswegen bewegten sich meine Antworten darauf, zwischen zwei Polen, wie es nun mal auf der Erde ist. Ist es ein weglaufen vor Problemen oder ein Aussitzen, ein Festhalten am Alten und Gewohnten? Genauso kann es Abenteuerlust sein, das Neue entdecken oder die geballte Kraft an Energie in einem Ort sammeln? Ist es eine Verbundenheit, eine Zugehörigkeit mit dem Ort an dem wir geboren werden für dieses Leben oder ein Loslassen von Traditionen, Verstrickungen und den Geschichten der Ahnen?

Meine Erkenntnis darüber ist, dass ich immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin. Außerdem ist es auch für jeden anders. Wir sind alle so individuell und haben uns für dieses Leben unterschiedliche Aufgaben mitgebracht. Jeder möchte unterschiedliche Erfahrungen machen. So ist auch Heimat, so individuell für jeden von uns und im Herzen doch irgendwie gleich. Da wir alle nur Gast auf dieser Erde sind, bleibt sowieso nur die Liebe, wenn wir einmal gehen. Egal wohin… Meine Oma sagte immer zu den Menschen die verstorben sind, dass sie heim gegangen sind. Also konnte Heim-at, kein Ort auf der Erde sein.

Was ich in meinen bisherigen Umzügen deshalb lernen durfte ist, die Liebe im Herzen zu bewahren und die wahre Heimat leben. Heimatliebe ist deshalb kein Ort im Außen, sondern ganz tief in uns, im Herzen verankert. Der silberne Faden! Die Einheit in uns! Wo wir dann wieder beim Verslein wären: „Vergiss nie Deine Heimat, wo Deine Wiege stand. Du findest in der Ferne, kein zweites Heimatland.“

Das Foto von der einladenden Haustür, entstand übrigens vor Jahren in einem schönen Bergbauern Dorf in Tirol. Als ich die Seelenreise machte, kam sie mir sofort in den Sinn. Deshalb habe ich sie für diesen Beitrag verwendet. 

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Noch mehr Inspiration für Heimat in Deinem Leben, findest Du hier ~ Lass Dein Licht strahlen ~ Aufblühen ist möglich, ein Gastbeitrag von Mathilde & Markus Neuer