SelbstErkenntnis
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Gefühle, sind echte Hingucker

Gefühle, sind echte Hingucker, beobachtendes Bewusstsein ©Susanne Reinhold

„Am meisten fühlt man sich von der Wahrheit getroffen, die man sich Selbst verheimlichen wollte!“ (Friedl Beutelrock)

In diesem Beitrag, widme ich mich den kraftvollsten Kanälen in uns – den Gefühlen. Gerne tappen wir in die Falle, sie zu bewerten, in gut oder schlecht einzuordnen und verurteilen uns damit Selbst und andere. Gefühle, sind echte Hingucker für unser Bewusstsein. Für eine ganzheitliche Betrachtungsweise, bewerten wir unsere Gefühle nicht, sondern erkennen, dass alles sein darf.

Die – Alles ist Gut – Stimmung

Sich auf den spirituellen Weg zu begeben, bedeutet scheinbar, dass wir von einem Leben gehört oder gelesen haben, das sich an Werten orientiert wie Freude, Glück, Liebe, Toleranz, Respekt, Demut, Hingabe, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit. In meinem letzten Beitrag über das Erwachen, habe ich bereits von Meistern, Gurus und anderen Erwachten berichtet. Wir hören in diesen Kreisen oft, dass alles gut ist und es nichts außer der göttlichen Liebe gibt.

Demnach sollten wir immer lieb und artig sein und auch mit unseren Gefühlen in einer reifen, erwachsenen Weise umgehen. Und dann kommen wir nach Hause, haben Zoff mit unserem Partner oder den Kindern, sind wütend, eifersüchtig und boshaft. Und eine Stimme in uns sagt: Das ist aber jetzt nicht sehr spirituell. Was ist denn jetzt los? Das schickt sich aber nicht mit deinem so braven Leben.

In Dauerharmonie zu leben, ist das Resultat sich alles anzuschauen, was da ist – ohne sich die Bälle hin und her zuwerfen, wer Recht oder Unrecht hat. Gefühle, sind echte Hingucker – Erst wenn es mal richtig rumst und man mal ordentlich auf den Tisch haut, scheint es auch bei anderen anzukommen. Neulich hat mich ein heftiger Streit mit einem Menschen, genau an diesen Punkt gebracht. Ich fragte mich: Wie leben Menschen ihre tieferen Gefühle gemeinsam mit ihrer Spiritualität?

Wenn jemand behauptet, er kenne keine tiefen Gefühle oder er ist nie wütend oder empfindet Zorn, dann frage ich, was dieser Mensch ausblendet oder an welche spirituelle Identität er sich klammert. Manche nutzen Spiritualität wie eine Maske, die Unangenehmes und Gefährliches immerzu wegdrückt. Auch in den Religionen, wird dies immerzu gelehrt und mit der daraus entstandenen Schuld, profitable Geschäfte gemacht. In einer frei fließenden Spiritualität bewerten wir unsere tieferen Gefühle nicht als unspirituell, sondern wir erlauben sie und bringen sie in unser Bewusstsein. Ganz egal, welche das sind.

Gefühle – gefangene Lebensenergie

Ich habe mich in den letzten Jahren, viel mit dem Thema Dankbarkeit auseinandergesetzt. Bei etlichen Übungen dazu, bin ich regelrecht auf das Anschauen, vergeben und dankbar Loslassen trainiert worden. Dabei bin ich an Wut und andere Schamgefühle, in meiner Kindheit und Jugend rangekommen. Einige von ihnen habe ich zunächst bewertet und abgelehnt. Immer dann begann mein Kampf, denn ich war damit beschäftigt wegzudrücken und zu verdrängen.

Ich wollte mit diesem Thema einfach nichts zu tun haben. Dies könnte ich mein Leben lang so weitermachen und meine ganze Lebenskraft verpulvern. Denn der Gefühle – Knopf wird immer größer, wenn wir jedes Mal damit besorgt sind, ihn eigentlich vor den anderen zu verstecken, bevor er gedrückt wird. Schaffen wir es hingegen, die Gefühle, die sowieso in uns vorhanden sind, auch in unserem Bewusstsein zu erlauben, sind wir einen großen Schritt weiter.

Was machen wir nun mit Gefühlen, die so stark, intensiv, zuweilen schmerzhaft sind, dass wir sie kaum aushalten?

Gefühle, sind echte Hingucker und zeigen uns, wo der Schmerz ist. Ich atme in solchen Fällen, mittlerweile meine Achtsamkeit und katapultiere mich sofort in den JETZT-Moment. Der Atem ist mein Fluss. Er kann etwas bewegen oder anhalten und lässt mich meinen Körper fühlen. Ich kann ihn leiten, in jeden Bereich, wo meine Aufmerksamkeit ist – mein Fokus! Der Atem ist mein –Ich bin hier und sehe dich! Ich atme, um die erstarrten Gefühlsgewohnheiten aufzuweichen und hinter das Gefühl zu blicken. Ich erkenne dann beispielsweise eine Gewohnheit, die ich mir sehr früh und unbewusst zugelegt habe oder einen persönlichen Schutzmechanismus. Heute weiß ich, dass es auch Programme sind, die mich beherrschen. Und es fließen Tränen oder ich schaffe es, die Gedanken zu beobachten – was auch nicht immer einfach ist – wenn es in mir tobt. Aber auch dafür, verurteile ich mich nicht mehr. Ich bin einfach da!

Ein Beispiel aus meiner Jugend…

Damals erlebte ich in einer sehr liebevollen Beziehung einen enormen Trennungsschmerz und Unzufriedenheit. Wir schrieben uns mehr Briefe, als dass wir uns gesehen haben. Ich konnte diesen Schmerz nie endgültig ausleben und auch dieser Unzufriedenheit, in meinem Umfeld, kein Ventil geben. Bei einer späteren Therapie wurde mir klar, dass der junge Mann durchaus bereit war, sich mit mir weiter zu entwickeln. Dennoch blieben bei mir als Frau, immer die gleichen Gefühle, der Minderwertigkeit und des Verlassen-werdens, weil ich nicht (s)einer Vorstellung entsprach.

Es wurde klar, dass ich diesen Schmerz eingeschlossen hatte, weil er sich immer durch Widerstand zeigte. Genau hingeguckt, bot er mir so viel Verlässlichkeit und Sicherheit, dass ich kein anderes Gefühl an diese Stelle kommen lassen wollte. Wahrscheinlich ist jeder von uns, wenn er nicht an diesen Punkten mit sich arbeitet, mit gewissen Gefühlen aus der Kindheit oder Jugend verklebt oder hält daran fest. Genau dort braucht es oft ein wissendes Auge und ein mitfühlendes Herz in Form eines Begleiters. Der wichtigste Part war allerdings, es für mich anzuerkennen, dass es so ist.

In dieser Therapie, habe ich diesem Schmerz Raum gegeben und mich fallen gelassen. Tränen liefen über mein Gesicht und es war nichts mehr da, was mir hätte Halt geben können. All die gefangene Lebensenergie, die ich für meine Schutzmechanismen brauchte, wurde frei gelegt. Viele Jahre später, ich nenne es heute Heilung, konnte ich auch seine liebevollen Briefe an mich verbrennen und endlich loslassen.

Gefühle, sind echte Hingucker und hilfreich, wenn wir alles fühlen, was JETZT in uns ist. Wir sind dann im Körper und ganz bei uns. Begrüßen wir unsere Gefühle! Zugegeben, kein leichter Weg – aber ein zutiefst menschlicher, unverwechselbar individueller, eben genau deiner! In dem Moment, wo wir bereit sind, uns ihnen auszuliefern – entstehen neue Universen, neue Möglichkeiten. Auf dem Königsweg sehe ich Menschen, die es geschafft haben, aus ihren dunkelsten Gefühlen die hellste Seite herauszuholen. Das sind zum Beispiel Drogenabhängige oder Alkoholiker, die jetzt in einer Suchtberatung andere dabei begleiten. Oder Traumatisierte Unfallopfer, die sich wieder an ein Steuer setzen und das Gefühls-Trauma hinter sich lassen.

Menschen, wie Du und ich – die erkennen, dass sie kraftvolle Wesen sind! Wir sind von unserem Wesen her, auf dieses Fühlen angewiesen. Der Kopf kann uns viel erzählen, aber fühle mal, was das Herz dir sagt! Gefühle kommen wie ein schnell aufziehendes Gewitter, es blitz heftig und ein großes Feuer kann in uns lodern. Wassertropfen laufen als Tränen, lassen uns los, fallen in den Sand und verschmelzen mit ihm. Genauso berühren sie sanft wie der Wind, schmeicheln uns wie ein Sonnenaufgang und verschwinden im Meer… Fühl mal!

Gefühle, beobachtendes Bewusstsein ©Susanne Reinhold

Gefühlemix, beobachtendes Bewusstsein ©Susanne Reinhold

Fühle deine Gefühle

Das hört sich jetzt einfach an, ist aber unser einziger Weg. Viele unserer Gefühle sind ja kollektiv sehr schlecht angesehen, weil sie erst einmal eben nicht zu Einigkeit, Verständnis und Begeisterung im Miteinander beitragen, sondern Konflikte erzeugen oder sogar verstärken. Zudem war es uns in unserer Kindheit nicht erlaubt, einige dieser Gefühle frei auszudrücken.

Beispielsweise war mein Vater oft wütend wegen Kleinigkeiten und hat mich angebrüllt. So wie er es als Kind, auch im Elternhaus erleben musste. Bei Gegenworten, Erklärungen oder einer Verteidigung, habe ich schnell die Erfahrung gemacht, dass es dann Ohrfeigen gab, weil alles andere als vollkommener Gehorsam von meinem Vater als frech interpretiert wurde. Ich habe darum lange Jahre Angst vor meiner unterdrückten Wut und meinem Hass gehabt, weil ich einen Ausdruck dieser Gefühle mit Bestrafung und Gefahr verbunden habe. Es hat lange gedauert, bis ich mir erlaubt habe, mal richtig auszurasten. Deshalb war ich dann geschockt von mir selbst, weil das für das kleine Kind in mir unerhört war und doch befreiend!

Gefühle, sind echte Hingucker und in Sachen Liebespartner oder unsere Kinder, die klarsten Spiegel, die wir gezeigt bekommen. Gerade mit ihnen bekommen wir Zugang zu den intensivsten, die wir alleine im stillen Kämmerlein nicht erleben würden. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ich genau bei diesen nahestehenden Menschen so viel Wut empfinden kann. Und gleichzeitig habe ich auch mein Herz noch nie so weit geöffnet, wie bei diesen Menschen und bin unendlich dankbar für sie.

Erkenne, dass alles SEIN darf…

In meinen Augen beleuchten die Ich-muss-immer-glücklich-und-friedlich-sein- Ideologien nur die helle Seite von uns. Nichts weiter als eine Maskierung, die einen Teil unserer Gefühle kategorisch ablehnen. Das Ablehnen von Gefühlen ist eine jahrhundertealte Tradition, die sogar unsere Generation noch fleißig ausübt. Bestens sichtbar wird uns dieses Ablehnen heute in den vielen psychologischen Krankheiten und Burn-out Patienten. Denn viele Menschen, leben beispielsweise beruflich ein Leben ohne die ersehnten, erfüllenden Gefühle und sind deshalb unglücklich am Arbeitsplatz. Auch die sich häufenden, scheiternden Beziehungen und Eltern, belegen immer mehr diese Bedürftigkeit, dass ein anderer uns ein Gefühl geben muss – zum Beispiel glücklich oder einsam zu sein.

Niemand kann uns ein Gefühl geben. Andere können es nur in uns erwecken oder auslösen. Fühlen, müssen wir es Selbst und zwar Alles, was da hochkommt. Das Gefühl von Geborgenheit, das Gefühl von Geliebtsein, Freude oder von Fülle oder ein Teil der Familie zu sein, Trauer, Einsamkeit, Wut, Zorn, Dankbarkeit und vieles mehr. Es kann auch sein, dass wir in die Gefühlswelt eines anderen verwickelt werden, ohne es zu wollen. Zum Beispiel, in einem Streit. Dabei werden in uns fremde Programme aktiviert oder energetische Verbindungen geschlossen. Die sollten wir aufspüren (fühlen), ob die auch wirklich zu uns gehören.

Meist spielt dabei der Verstand eine übergeordnete Rolle. Wir urteilen über den anderen, haben eine Meinung über ihn oder nehmen etwas an, was sein könnte. Dies führt unvermeidbar zu Unstimmigkeiten und die Energien schaukeln sich hoch. Darum denken wir in diesen Situationen auch nicht lösungsorientiert, weil wir da voll im Kopf sind und unser Herz ausblenden. Wir hängen am Problem fest, hadern mit dem Istzustand, beißen uns fest. Erst wenn wir uns von dem Problem mental lösen, durchatmen und ins Herz gehen, können wir es mit Abstand neutral betrachten.

Dann kehrt Ruhe und Stille ein und wir erkennen aus diesem Bewusstsein heraus, die Lösungswege. Es heißt ja bekanntlich – in der Ruhe, liegt die Kraft! Vielleicht ist es der spirituellste Job überhaupt, sich dieses alte Zeug in sich mal anzuschauen, denn die Menschheit steht vor gigantischen Herausforderungen, die in riesigem Leid enden werden, wenn wir nicht bei uns SELBST anfangen.

Wie wollen wir die Probleme dieser Welt lösen, wenn wir noch nicht mal UNS SELBST kennen?

Gefühle, sind echte Hingucker – im wahrsten Sinne des Wortes. Sie wollen gesehen werden, weil es wichtige Kanäle von uns sind, indem sich unser Bewusstsein immer weiter ausbreiten kann in diesem Feld. Unsere Gefühle auszudrücken, jedenfalls solange wir in Frieden leben, ist demnach eine schöpferische Aktion. Sobald Krieg und Schockzustände herrschen, ist das Abschneiden von Gefühlen oft ein wichtiger Überlebensmechanismus.

Die momentane weltliche Situation und zunehmende künstliche Technik, bringt viele Menschen wieder in diese Zustände, auch wenn nicht gleich Panzer rollen. Der Gürtel wird immer enger geschnallt, damit wirklich Jeder bei sich selbst schaut und in seine Kraft kommt. Dazu gehören auch die vielen Ablenkungen und Inszenierungen im Außen. Das Verlässlichste was wir haben, ist unser Fühlen mit dem Herzen – in uns! Wenn wir es JETZT schaffen, unsere dunkle Seite in die Hand zu nehmen, sie anzuschauen – statt sie ideologisch und spirituell zu verbannen, sehe ich das als wichtigste Friedensarbeit, ohne dafür demonstrieren zu müssen.

Denn authentisch und verlässlich ist nur der MENSCH, der sich erlaubt, ganz SELBST zu SEIN.

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